© 2014 Stephanie Pech

Aus dem Leben der Wolfpriester (Auszug),  Die Welt



Das Tierbild, einst eine niedere Kunstgattung, wird immer beliebter

 

Von Christiane Dressler

 

Sie kennen Fußballer, die kämpfen wie Löwen, Hooligans, die toben wie Bullterrier, dazu Polizisten im Einsatz, schlau wie Füchse. Weit scheint es nicht her zu sein mit der Krone der Schöpfung, diesem "Tier auf zwei Beinen ohne Federn", wie Platon den Menschen nannte. Munter vergleicht er sich mit dem Tier, verleiht ihm Laster und Tugenden, liebt, verehrt es, beutet es aus.

Tiere haben Hochkonjunktur, wie im Leben so in der Kunst. Als Abbild und Gegenbild des Menschen dient das Tier, tot oder lebendig, ein stilllebentaugliches Objekt. Und sieht man sich auf den großen Messen um, wimmelt es dort von hoch dotierten, gemalten, gegossenen Vierbeinern. Fett auf der Leinwand, in Polyester und Lack stehen sie da oder werden ganz einfach gehäkelt. Auch Frauen haben das tierische Thema entdeckt und bestialische Blüten hervorgebracht.

"Menschen als Motiv interessieren mich nicht, die Nähe ist zu stark!" Also malt Stephanie Pech Tierstillleben mit metaphysischem Tiefgang und surreal grausiger Ironie. In der Metzgerei fing es an. Zuerst hat sie einen fetten Schinken gekauft, ihn abgemalt bis er faulig war. Dann Lachsköpfe, Forellen, Sardinen, Schalengetier, es eingefroren, aufgetaut, gemalt, um die Veränderung der Farbe, der schillernden Schuppen zu sehen. Bis einige Mitstudenten sich Nase rümpfend und lautstark beschwerten.

Malerisch eiskalt behandelt Pech ihre Metaphern des Lebens, Tiere und Objekte, die, aus ihrem stillen Dasein befreit, zum Hauptdarsteller auf der Leinwand werden. Und wenn es der Regenwurm auf einem 3-Meter Querformat ist! Glatt und glänzend, ein wenig aufgeblasen schimmert er, endlos und regenbogenfarbig, von der Künstlerin per Hand gezogen, gedehnt, gestreckt, gerollt. "Aber nur so lang, bis das Foto stimmt", verspricht die in Bonn lebende Kuhna-Meisterschülerin, deren Arbeiten zwischen 1600 und 9000 Euro liegen. Kann man sich vorstellen, wie Dürer seinerzeit sein zappelndes Langohr studiert haben muss? ....

 

Christiane Dressler

 

Die Welt

Artikel erschienen am 16. August 2008