© 2014 Stephanie Pech

Fisch auf dem Sofa, Krebs in der Badewanne    (Die Welt)



Da liegt er, der rote Fisch. Mitten auf dem bunt gemusterten Sofa. Eine Rotbarbe. Der Fisch wird nur etwa 30 cm lang. Auf dem Sofa erscheint er aber fast schon in monumentaler Größe. Gemalt hat ihn Stephanie Pech, die sich in der Galerie Artesse von Caprice Horn in Berlin vorstellt. Stephanie Pech liebt solche Verfremdungen. Der Begriff stammt von Viktor Schklowskij und meint das Herausnehmen eines Gegenstandes aus seinem gewohnten Zusammenhang und sein Hineinstellen in einen anderen, in dem er üblicherweise nicht vorkommt. Und Stephanie Pech beherrscht das Metier der Verfremdung perfekt. Da taucht ein Oktopus mit einem Stromkabel auf, eine Scheibe Lachs - dessen ehemaliger Bauch, ausgenommen, nun an eine Vulva erinnert, liegt über einer Elektroschnur mit Schalter.

Stephanie Pech, die an der Akademie in Münster Kunst studiert hat, und schon auf verschiedenen Kunstmessen vorgestellt worden ist, gehört ohne Zweifel zur Crème der Meisterinnen des Pinsels und der Farbe. Ihr Zugriff auf das, was Bild ist, ist direkt, aber voll koloristischer Raffinesse. So sehr man auch glaubt, Reales zu sehen - der Abstand, aus dem man ihre Bilder betrachtet, ist wichtig (ebenso wie bei den Alten Meistern) - so deutlich wird, bei eingehender Betrachtung, dass man Malerei geboten bekommt. Hier bleibt etwas Untergrund frei, der Pinselzug füllt dort nicht jede Ecke aus, und ein Muster an anderer Stelle zeigt sich, fast schon keck, als Farbe, die auf ihre stofflichen Eigenschaften hinweist.

Gern spielt die Künstlerin mit unterschiedlichen Ebenen der Wiedergabe und der Wahrnehmung. Da krabbelt ein Taschenkrebs in der Badewanne auf den Ausguss zu, von oben hängt ein Duschvorhang in die Wanne, der, milchig grau, mit taubenblauen Taschenkrebsen gemustert ist. Das hat auch etwas Konzeptuelles. Hier stülpt sich eins ins andere, der malerische Raum ist gekrümmt, und der Betrachter findet sich irgendwo zwischen "the moon and New York City"(Burt Bacharach, Christopher Cross) wieder, im andauernden Neudefinieren von Sehen und Denken und der Reflexion über das, was die Sprache der Bilder ausmacht.

Eines der erotischsten Bilder der jüngeren Malerei ist auch in der Ausstellung zu sehen, Stephanie Pechs "Ophelia": Der Blick in eine Badewanne; das Wasser ist klar und unbenutzt, wirkt kühl. Und auf der Oberfläche schwimmt ein buntes Bikini-Oberteil.

 

Gerhard Charles Rump

 

Die Welt

Artikel erschienen am 7. Mai 2004