© 2014 Stephanie Pech

Beitrag für :   Deutsche Welle / Kultur Hintergrund

Redaktion: Conny Paul, Januar 2008

 

Die Magie des Alltäglichen – Atelierbesuch bei der Malerin Stephanie Pech

Ein Beitrag von Heike Mund

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Moderation:

Die Künstlerin  beschäftigen sich häufig mit der Schönheit ganz alltäglicher Gegenstände: Früchte, Blumen, Vasen, Schalen oder ganz profanen Haushaltsgegenständen. Was in früheren Jahrhunderten, vor allem bei den niederländischen und französischen Malern, zum Alltag der Auftragsmalerei gehörte, findet jetzt im 21. Jahrhundert bei den jüngeren Malern auf der Leinwand wieder: das klassische Stilleben. - die Magie des Alltags eben. Nur heutzutage kann es natürlich nicht bei der reinen Schönheit als Erbauung bleiben, ein Schuß Gesellschaftskritik findet sich beim zweiten Hinsehen  auch in so altmodisch gemalten Gemälden. Die junge Bonner Malerin Stephanie Pech, Jahrgang 68,   weiß das gekonnt in ihren Bildern einzusetzen. Heike Mund hat sie in ihrem Atelier besucht und sich ihre Bilderwelt zeigen lassen.

 

Beitrag:

Ein lichtdurchfluteter langgestreckter Raum. Weiße Malwände, alles karg eingerichtet. Links vor der großen Fensterfront  stehen Tische, auf denen Fotos und Kataloge ausgebreitet sind. Dahinter ein aufgeräumter Materialtisch, die Malpinsel  nach Größen zusammengestellt, davor die weißen Tuben mit Ölfarbe – derzeit liegen neben der ganzen Palette der Rottöne   Blau- und Türkis ganz vorn.

 

O-Ton Stephanie Pech 1:

„Ich habe bei der Farbigkeit immer wieder so einen südländischen Bezug. Das ist auch nicht irgendwie ausgedacht.

Das ist einfach da // Also die Farbwahl passiert bei mir sehr intuitiv. Manchmal ist die Farbwahl sogar zuerst da und dann suche ich die Gegenstände.“

 

Am Kopfende des Ateliers hängen zwei kleinformatige Bilder: auch hier mediterrane Anklänge auf der Leinwand.

 

O-Ton Stephanie Pech 2:

„Kleine Tiere, (wie Regenwürmer,)Krebse, Fische, Oliven, also Tiere und Nahrungsmittel, aber auch Bohnenkeime und die kombiniere ich häufig mit Gegenständen aus dem täglichen Gebrauch., wie den Rasierklingen, Badewannen, Stoffe, Brokatstoffe...“

 

Die Malerin trägt solche Motive - Rasierklingen, Krebse, Rosenköpfe - wie Druckstempel oder Pattern in Serie auf. Als farbige Grundierung , bevor sie anfängt mit dem Pinsel zu malen. Aber für sie  ist das weit mehr als ein vordergründig schönes Tapetenmuster .

 

O-Ton Stephanie Pech 3:

„Bei Rasierklinge ist man ganz schnell bei sezieren, bei zerteilen, bei zerschneiden...aber auf der anderen Seite ist es auch ein  wunderschönes Ornament, wenn man es in der Vervielfältigung sieht. Und mit diesen Doppelbödigkeiten arbeite ich.“

 

Seit ein paar Jahren tut sie das  immer öfter in einem ungewöhnlichem Format. Überdimensionierte Regenwürmer, langgestreckte Aale, die wie aufgebahrt auf einem farbigen Fries oder dem nackten weißen Boden liegen, irritieren alle Sehgewohnheiten.

 

O-Ton Stephanie Pech 4:

„In dem Moment, wo ich es dann auf die Leinwand bringe, ist es nicht mehr so klein, dann sind es nicht 20, 30 cm, sondern dann sind 3 Meter. Und dadurch passiert ganz viel – malerisch. Daraus ergibt sich ein Eigenleben, ein malerisches Eigenleben, durch dieses blow up.“

 

Die Bilder treiben ihr ironisches Spiel mit der Wahrnehmung. Erst

auf den zweiten Blick entdeckt man das Morbide der vordergründigen Schönheit des Objekts. Eine feine Blutspur deutet das Ableben des Regenwurms an, den Stephanie Pech  - bewusst in der Tradition eines altmeisterlichen Stillebens -  auf der Leinwand präsentiert,

mit sehr weiblichen erotischen Untertönen.

 

O-Ton Stephanie Pech 5:

 „Wenn man die sich mal im Sonnenlicht anguckt und diese schillernden Rot-Rosttöne vom Magentarot bis zum erdigen  Braun sieht, dann ist das wirklich eine wahnsinnige Farbgewalt, was man ja so, wenn man die am Erdboden sieht, gar nicht wahrnimmt.“

 

O-Ton Stephanie Pech 6:

“Diese hohe Sinnlichkeit ist mir ganz wichtig. /Was ich ertaste, was ich erschmecke, was ich erfühle, das möchte ich auch in dieses Bild hinein projezieren.“

 

Die Motive für ihre Bildwelten schöpft Stephanie Pech aus ihrer alltäglichen Erfahrungsswelt :  beim Kochen, im Urlaub, oder beim  Einkaufen auf dem Markt.

 

O-Ton Stephanie Pech 7:

„Häufig sind das so Momentaufnahmen, wie ein filmstill. Wo ich dann plötzlich einen Moment eingefroren habe und angehalten habe. Da bediene ich mich auch der Fotografie. Ja so was kann man auch sonst gar nicht festhalten. Dieses mal so eben hin geschleuderte der Erdbeeren, der schwarzen Oliven. Oder die Hyazynthe, die gerade aufgeblüht ist und eine so riesigen Blütenkörper entwickelt hat, das sie eigentlich mehr von diesem kleinen Plastiktopf getragen wird und umkippt. Und den Moment, wo sie da liegt, das habe ich dann festgehalten und auf die Leinwand gebracht.“ 

 

Als Malerin legt sie viel Wert auf Handwerklichkeit, Farbschicht für Farbschicht wird sorgfältig nacheinander aufgetragen. Am Schluß setzt sie die Lichtreflexe – in eben dieser altmeisterlichen Manier des Stillebens. Bei ihr  entwickelt das aber leicht morbiden Charme.

 

O-Ton Stephanie Pech 8:

„Es hat auf der einen Seite was Liebliches. Und dann schleicht sich auf der anderen Seite diese Gemeinheit oder manchmal diese Brutalität rein und sie ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich.“

 

O-Ton Stephanie Pech 9:

 „Bei den Regenwürmern, bei den schillernden Fischleibern, sieht man, das man dort trotzdem den Tod immer vor Augen hat. Auf der einen Seite das schillernde Schöne, die schöne Farbigkeit, die glänzende Oberflächlichkeit, dieses prickelnde Irisierende, ölige , aber auf der anderen Seite, man sieht immer die Schnittstellen, man sieht immer die Manipulation. Es kann herausbluten, diese Tintenfische, die sind ja abgekocht, d.h. sie sind erstarrt.“

 

Stephanie Pech braucht keine spektakulären Bildentwürfe. In ihrer Art der Malerei werden achtlos zur Seite gelegte Gegenstände, das Bikinioberteil genauso wie der Rhabarberkopf,  als modernes Stilleben wie ins Scheinwerferlicht gerückt. Als Teil des Alltags.

 

O-Ton Stephanie Pech 10:

„Das sind alles Dinge, die uns täglich umgeben, also dieses Essen zubereiten und die Lust und Unlust, die damit zusammen hängt und das ganze auch aus der Banalität herauszuholen und das auf eine andere menschliche Ebene zu transportieren, das finde ich sehr, sehr faszinierend an der Sache.“